Unser Logbuch

hier gibt`s das Neueste von unserer Reise.

Die Einträge hängen davon ab, wann wir einen Internetzugang

finden. Wir werden natürlich versuchen, möglichst aktuell zu sein


 
Datum 21. Februar 2010
Position 12°06,23´N, 068´18,98´W - Bonaire, ABC-Inseln
Seemeilen bisher 6383
Wind E 5 Bft
Tage unterwegs 286

Einbahnstraße zur ABC Insel Bonaire
Endlich wieder auf See -
jetzt gibt es kein Zurück mehr!


Pro und contra, die Entscheidung fällt!
Vielen Dank an unsere Freunde für die Aufmunterungen zur Weiterreise. Mindestens einmal pro Tag gab es während der Bequia-Zeit bei uns ein pro und contra - zurück nach Europa oder weiter in den Pazifik. Gerade erreicht uns noch eine Mail von Mäxchen. Sie schreibt unter Anderem: „wir diskutieren gerade, wie viel Zucker in den Salat gehört“. Das gibt den letzten Ausschlag. Ich will nicht zurück in den Finkenweg in ein voll geregeltes Leben - noch nicht. Ich überwinde meinen inneren Schweinehund und sage zum Skipper: „Von mir aus können wir weiter fahren“. Wir fassen wieder Mut, wollen mehr von der Welt sehen, weiterhin zwischen Himmel und Meer leben, fremde Kulturen erleben, Menschen kennen lernen, Freunde finden, Länder entdecken und auch die folgenden Ozeane mit ihren Naturgewalten meistern, wie wir es uns mal vorgenommen hatten und uns mit der Weite des Horizonts auf das Wesentliche besinnen. Niemals möchten wir das bisher Erlebte missen – die Reise geht weiter.

Ein spannender Moment, wie Fixman die Pumpe wieder einbaut.
Momo ist wieder fit. Viele Fittinge hat Uwe eingebaut, neue Dieselschläuche verlegt, eine neue Pumpe installiert, dann hat er mit dem Schlauchboot den fertigen Tagestank von Fixmans workshop abgeholt und den Tank „gschwind“ unter der „Hundekoje“ eingebaut und gleich noch eine winzige undichte Stelle am neuen Tank mit Spezialkleber geflickt.


Robin Smith ist Fixman

Ratz fatz geht der Einbau der neu reparierten Pumpe; routiniert baut der Ferrari Mann unser teures Stück ein. Der Testlauf an der Boje funktioniert. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Da wir aber vorsichtige Schwaben sind, muss sich Sir Perkins in der Praxis bewähren. Zwei Stunden jagen wir ihn, zeitweise unter Volllast, Richtung St. Vincent und wieder zurück. Die Maschine läuft und gibt uns ein gutes Gefühl. Wieder fest an der Mooring entdecken wir an der Badeleiter schwarzen Russ, vom Auspuff muss das sein. Haben wir uns zu früh gefreut? Die Einspritzdüsen müssten eigentlich auch noch geprüft werden, aber darauf ist niemand spezialisiert - nicht auf Bequia und nicht auf den Nachbarinseln, also das können wir erst mal vergessen. Später werden wir uns mal fragen, warum wir die Düsen nicht gleich nach Hamburg zum Prüfen mitgeschickt haben – später.


Endlich wieder auf See - Kurs Süd – Bequia, Canouan, Tobago Cays, Bonaire!

Am 8. Februar, nach 23 Tagen auf Bequia, heißt es jetzt Gas geben, beziehungsweise Segel setzen.

Leinen los von „Africans“ Boje.
Da schwimmt doch gerade in dem Moment Momos Schildkröte am Bug vorbei. Wenn das kein gutes Zeichen ist!
Auf dem Weg zu den Tobago Cays ankern wir nach nur zwanzig Meilen in der Charlstown Bay auf der Insel Canouan in glasklarem türkisfarbenen Wasser, das sich sogar in den Salingen wieder spiegelt. Auf der tropischen Insel Canouan kann man mit dem nötigen Kleingeld gepflegt Urlaub machen in den Villen vom Resort Raffles, baden am kilometerlangen weißen Sandstrand, schnorcheln und auf dem 18-Loch Platz Golf spielen und abends noch das Casino besuchen. Eine Luxustourismus-Insel, so wie die Nachbarinsel Mustique die Prominenteninsel ist.

Wir machen in der Bucht von Canouan nur einen kurzen Stopp zum Übernachten, Schwimmen und Abkratzen von Momos grünem Algenpelz.


Momo wird "untenrum" geputzt

Die Tobago Cays sind ein „Must“.
Acht Meilen segeln wir nach Südwesten und erreichen die legendäre Inselgruppe der Tobago Cays, an der kein Karibiksegler vorbeifährt. Das Gesamtgebiet umfasst 66 Quadratkilometer, welches von dem 4 Kilometer langen Riff, dem Horseshoe Reef zum freien Atlantik hin geschützt ist. Von den umliegenden Koralleninseln ist Mayreau, Catholic Island, Jondall und Mayreau Baleine bewohnt, die kleineren wie Petit Bateau, Petit Rameau, Jamesby, Petit Tabac und Baradal sind unbewohnt. Zwei große Kreuzfahrtschiffe sind auch schon da, als wir uns zwischen den Riffen in die ausgewiesene Ankerbucht vor Petit Bateau vortasten. Trotz des frühen Morgens liegen auf dem schönsten Ankerplatz der Karibik schon zirka fünfzig Schiffe vor Anker oder an den Bojen. Die Dünung des Atlantiks bricht sich am Riff, weshalb die Schiffe hier sicher und ohne Schwell liegen, aber mit freiem grandiosem Blick auf den Atlantik.


in den Tobago Cays

Boat boys
Die Boat boys, die mit PS-starken Booten ihre Geschäfte machen wollen, sind hier besonders zahlreich: Banana bread, the best from my wife, sowie Fisch und T-Shirts bieten sie am Schiff an, das big business ist mit den großen Charter-Katamaranen mit zehn Mann Besatzung zu machen, weniger mit den Langzeitseglern. Nicht wenige Segler haben uns geraten, die Karibik so schnell wie möglich wieder zu verlassen, weil es eine schlimme Abzokke und eine Plage mit den boat boys sei. Aber, die Karibik ist ein ideales Segelrevier mit konstantem Wind und Sonnenschein und mit boat boys hatten wir nie Probleme, ein paar nette Worte wechseln helfen immer!


"Surprise" nennt sich dieser boat boy

Das Riff und seine Bewohner
Wir tauchen ab in die karibische Unterwasserwelt und schnorcheln im Horseshoe-Riff. Schwärme regenbogenfarbener Fische nehmen uns in ihre Mitte, andere dagegen glotzen erschreckt zwischen den Spalten der Korallen hervor. Echte Karettschildkröten und Suppenschildkröten soll es in den Cays massenhaft geben. Nur eine Einzige zeigt sich uns, sie schwimmt an unserem Dinghy vorbei. Die auf den Cays übliche türkis-blaue Wasserfarbe kommt heute nicht richtig zur Geltung, der Himmel ist zu diesig.



Unser Absprunghafen, Union Island
Ein Katzensprung von 7 Seemeilen ist es nur nach Union Island, wo wir direkt hinter dem halbkreisförmigen Riff vor Clifton Harbour ankern, auf Position 12°35’72N und 61°24’74W. Von hier aus haben wir die Landebahn des kleinen Flughafens im Blick. Dort werden wir am 12. Februar dann auch ausklarieren, lange genug hing die Gastlandflagge von St. Vincent and the Grenadines unter der Steuerbordsaling. Wir erstehen für die Weiterreise frisches Obst und Gemüse von den Gemüseständen im Ort. Uns gefällt es auf Union Island. Abends gönnen wir uns einen Sundowner in Jantis uriger Bar, das heißt wir versumpfen mit der Besatzung der Moana-Vanua. Die Bar hat Janti auf das Riff gebaut, mit Conch Muscheln noch verfestigt, vier Palmen darauf gepflanzt und seine Bar darauf errichtet.


unser toller Ankerplatz in Clifton Harbour


Sundowner in Jantis Bar

Der kommende Tag ist wieder ausgefüllt mit Vorbereitungen für die Abreise:
Mit dem Setzen unserer Passatsegel und dem Ausklarieren. Zusammen mit einigen Ziegen laufen wir die Straße entlang zum Flughafen, um unseren Ausreisestempel abzuholen.

Es ist unglaublich, wie viele Dinge wieder ordentlich verstaut und verzurrt werden müssen, auch das Schlauchboot kommt wieder in die Tasche und der Außenborder ans Heck von Momo. Vorsichtshalber bereitet der Smutje (Bordkoch) noch ein paar „Basics“ vor. Bei angesagten 5 Windstärken für die nächsten Tage kann das nicht schaden. Kartoffelsalat, der Rest der Kartoffeln wird zu Brei verarbeitet; eine Packung Rigatoni gekocht, denn bei Schräglage mit kochend heißem Wasser zu hantieren ist nicht ungefährlich. Der Smutje ist ein gebranntes Kind. Dann verarbeite ich noch Christophine zu einem Gemüsecurry. Jetzt gilt es noch die Schränke und Schubladen der Pantry fahrtauglich aufzuräumen und auszustopfen, um wenigstens einige Geräusche an Bord einzudämmen.

Einbahnstraße zur ABC Insel Bonaire, 12. Februar
Jetzt gibt es endgültig kein Zurück mehr für ein Segelboot! Um 9.30 Uhr geht der Anker auf in Clifton Harbour. Knapp drei Tage und zwei Nächte sind wir mit Momo jetzt allein zwischen Himmel und Meer. 11.00 Uhr, wir sind fertig mit der Arbeit an Bord: Zwei Bäume sind gesetzt (Gartenarbeit an Bord eines Segelschiffs?), der Propeller vom Schleppgenerator speist seinen Atlantik-Strom in die Batterien ein, und unser Windpilot steuert inzwischen auch den von uns gewünschten Kurs. Immer 270 Grad, ohne Kursänderung, bis zur Niederländischen Insel Bonaire, ganz einfach. Keine Karibiksegler und Antlantikrückkehrer und kein einziger der vielen Katamarane der Chartergesellschaften ist mehr zu sehen. Ganz allein wären wir jetzt ohne unser Funknetz. Schön, dass wir uns auf 8122 kHz mit unseren alten Freunden zur vereinbarten Zeit wenigstens noch unterhalten können. Draußen auf See steht die Verbindung „loud and clear.


Momo ist wieder unterwegs

Tag 1 und die Nacht
Ein herrlicher Segeltag und wir können uns langsam wieder an Seegang und Wind gewöhnen.
Das Meer ist fast glatt, bei gleichmäßigem Wind mit 4 Beaufort. Johannes, unser Steuermann arbeitet selbständig, ist ruhig, braucht keinen Strom und nichts zu Essen. Für uns ist es Zeit zum Mittagessen: Kartoffelsalat mit Spiegelei gibt es heute an Bord.

In der warmen, sternenklaren Nacht läuft unsere Momo mit 7 Knoten durch das ruhige Wasser. Die Gelegenheit mal einem Hörbuch zu lauschen: Frank Schätzing spricht passend über das Meer und die Riffe mit ihren Bewohnern. Toll auch die Nachrichten aus einem unbekannten Spektrum und der Tag als das Meer verschwand. Zum Glück verschwindet das Meer nicht solange wir unterwegs sind. Momo läuft wie am Schnürchen über die 4000 Meter tiefe See, nur ein leises wispern von Wind und Wellen - ein Blick nach oben, dort ist das Kreuz des Südens ganz deutlich am Himmel auszumachen. Eine Nacht zum Träumen! Erst auf Uwe’s Wache taucht um 2.35 Uhr der Tanker Chalonia auf Kollisionskurs auf. Der Skipper funkt ihn auf Kanal 16 an, worauf der Tanker seinen Kurs ändert.


Mit einem Hörbuch vertreibt sich die Crew die Zeit der langen Wache

Tag 2 und die Nacht.
Wir lassen einen Sicherheitsabstand von 35 Meilen zur Venezolanischen Küste. So verlockend die Inseln und die Buchten an dieser Küste sind, so wird immer mehr davor gewarnt Venezuela mit dem Schiff anzulaufen. Die Piraterie nimmt mehr und mehr zu, zumal von der Regierung nichts dagegen unternommen wird, ja sogar gut geheißen wird. Genug mit der Eingewöhnung. Das Meer atmet - heute schwer. Während die Sonne ihren Weg läuft, schaukelt, rollt und stampft Momo die vier bis 5 Meter hohen aggressiven Wellenberge rauf und runter. Unser Propeller vom Schleppgenerator tanzt auf und ab, die Leine hat sich schon um die Hälfte verkürzt – wenn das mal gut geht?! Der gestrige Tag und die Nacht waren eindeutig angenehmer.

In der unruhigen Nacht haben wir kein Licht, kein Schiff und keine Piraten gesichtet. Momo wird getrieben und getrieben, dabei soll sie höchstens den vorausberechneten Schnitt von 5 – 6 Knoten laufen. Aber schon jetzt ist abzusehen, dass unser errechneter Zeitplan mit Ankunft auf Bonaire, am dritten Tag morgens bei Helligkeit, nicht klappen wird. Momo ist halt eine Rennziege.
Morgens entwirren wir die Propeller-Leine, sie hat sich vor lauter Knäuel um die Hälfte verkürzt, und stellen fest, dass die Befestigung, die Edelstahlbeschläge, sich verformt haben.


Uwe funkt mal wieder mit der „Atlantikfunkrunde“.
Witzig ist, obwohl Momo am weitesten entfernt ist von den anderen, sind wir die Relaisstation. Wir hören alle an der momentanen Runde Beteiligten, Heimkehr hört aber z. B. SuAn nicht, (diese beiden Schiffe sind aber nur wenige Meilen voneinander entfernt) und so geben wir das Gesagte von SuAn dann an Heimkehr weiter.

Heiß ist es unter Deck, vor allem beim Kochen, so kommt heute nur ein einfaches 30°-Schräglage-Schaukelessen aus der Kombüse: ein Kartoffelbreiberg in einem roten See von Tomatensoße mit weißen und schwarzen Bohnen, während Momo läuft und läuft. Wir haben ihr Segelfläche weggenommen, trotzdem segelt sie im Schnitt unbeirrt 7,5 Knoten schnell, unterstützt noch vom mitlaufenden Strom.

Die Nachtansteuerung auf Bonaire
ist unausweichlich. Vor Einbruch der Dunkelheit bergen wir unsere Bäume und schon bald erkennen wir Lichter an der total flachen Südspitze der Insel. Jetzt steigt der Adrenalinspiegel, noch einige Meilen segeln wir an der Leeseite der Insel entlang, bis in die weite Bucht vor der Inselhauptstadt Kralendijk. Unser Radargerät irritiert Uwe, wir sehen Signale wo eigentlich nichts sein kann, dagegen sehen wir keine Uferlinie. Wir sind müde, bis zur Ankunft, die wir auf ca. 24.00 Uhr schätzen, sind wir natürlich beide an Deck präsent. Als Orientierung in der weiten Bucht vor Kralendijk nehmen wir das hell beleuchtete Kreuzfahrtschiff, das an der Pier vor der Stadt liegt. Dann tasten wir uns mit dem Suchscheinwerfer weiter, suchen Masten, denn hier sollen laut Handbuch Mooringbojen ausliegen. Ankern ist an der ganzen Küste von Bonaire verboten. Total angespannt, nehmen wir doch die Fische wahr, die in Schwärmen im Schein der Lampe in Form einer Welle hoch springen. Tausende! Ein Horrorfilm könnte das sein mit den Fischen.

Sir Perkins lässt uns mal wieder im Stich.
Eine Horrorszene kommt jetzt aber von ganz anderer Seite! Eine freie Boje ist in Sicht. Mit Lampe und Bootshaken bewaffnet stehe ich am Bug und glaube es nicht – die Maschine setzt aus. Der Skipper verschwindet unter Deck - wir treiben. Ich stehe ganz cool da, das muss ein böser Traum sein. Da, Sir Perkins brummt wieder, ist das ein schönes Geräusch, die Maschine läuft wieder! Jetzt habe ich sie gleich, die Mooring. Stille – schon wieder? Sir Perkins ist verstummt und der Skipper wieder verschwunden. Rechts und links von uns liegen weitere Schiffe und wir manövrierunfähig dazwischen. Noch stehen wir kurz vor der Boje, da fällt Uwe ein, was los sein könnte, die Maschine kriegt keinen Sprit. Er stellt, solange ich immer noch regungslos mit Lampe und Haken da stehe, die Spritzufuhr vom Tagestank auf den Haupttank um und siehe da, Sir Perkins springt wieder an, just in time. Boje schnappen, festmachen. Fertig.

Das höchste Glück ist jetzt eine Dusche mit Süßwasser, runter mit der Salzkruste vom Körper. Alle kühlen Getränke machen wir jetzt nieder, plötzlich sind wir nicht mehr müde, obwohl es 1.00 Uhr morgens ist. Montag, der 15. Februar und unser 280ter Tag seit unserer Abreise. 420 Meilen liegen hinter uns seit Union Island.


Momo in guter Gesellschaft vor Bonaire

Feiertag und Karneval
Montag früh, Uwe fährt mit dem Schlauchboot an Land zum Einklarieren bei Zoll und Immigration. Die Menschen auf Bonaire sind freundlich und hilfsbereit, die Hautfarbe der Niederländischen Kariben ist schokoladenbraun. Es scheinen auch viele Niederländer hier zu wohnen, zumindest arbeiten viele hier. Ein paar Monate in den Niederlanden, ein paar Monate auf Bonair, das hört sich großartig an. Heute ist Feiertag und die Geschäfte sind geschlossen.

Deshalb hat sich Momo so beeilt, zum Karneval auf Bonaire wollte sie pünktlich da sein.
Wir sehen uns das Spektakel an und erfahren dabei, dass der König des Karnevals in Brasilien "Rey Momo" ist!
Auf den Straßen von Kralendijk findet eine Grand Parade mit verschiedenen Gruppen und unterschiedlichen Themen statt, wie die Crazy Happy People mit be careful what you wish for, oder die De Juk Duikers mit Dutch Folklore, oder Nos Beyisima mit Fantasio du Universo und viele andere. Vor jeder Gruppe vorneweg ein Truck mit der ohrenbetäubenden Musikanlage und Verpflegung, dahinter die begeisterten verkleideten Einheimischen. Man spürt deutlich die Nähe zu Venezuela, Brasilien und Kolumbien im Aussehen und Temperament der Bevölkerung.


Carneval in Bonaire

Aber wie ist unser derzeitiges Motto? Nicht neue Insel neues Glück, sondern neue Insel nächste Reparaturen.

1. Die Ursache warum Sir Perkins uns beim Anlegen im Stich ließ, ist schell gefunden. Ohne Sprit läuft er nicht. Die Entlüftung am Tagestank hat noch nicht richtig funktioniert, Sprit bekam die Maschine erst wieder, nachdem Uwe in der Nacht schnell auf den Haupttank umgeschaltet hatte. Uwe holt sich, wie schon so oft, einen Tipp von Bert. Die Heimkehr ist inzwischen über 800 Meilen entfernt, aber die Funkverbindung klappt und eine ganz simple Notlösung wird gefunden. Ganz oben am Tank muss man zum Entlüften eine Schraube aufdrehen, dann funktioniert’s. Momentan pumpt die Pumpe: tuk tuk tuk......

2. Die Wellenhüpfer vom Propeller haben die Edelstahlbeschläge total verformt, wir müssen einen Metallbauer finden und neue machen lassen.

3. Einen Hardware-Händler brauchen wir für eine ganz spezielle Schraube, die Johannes unterwegs verloren hat.

4. Das Problem, dass aus unserem Auspuff schwarzer Rauch kommt ist natürlich auch nicht von allein verschwunden, vielleicht finden wir hier jemand der die Injektoren prüfen kann.


Max schweisst neue Beschläge für den Schleppgenerator

Das ist das unser Pflichtprogramm. Damit das Thema abgehakt werden kann nehme ich gleich vorneweg was wir „geschwind“ geschafft haben. Einen netten Metallbauer finden wir für die Propellerbeschläge, die Schraube suchen wir bei drei Hardware-Läden und lassen sie beim Metallbauer absägen. Dann kaufen wir noch eine neue längere Leine für den Propeller, damit er sich in den Wellen besser austoben kann. Für die Maschine und die Injektoren versetzen uns zwei Mechaniker, das Thema wird uns für die nächste Insel bleiben. Schluss jetzt!


Bonaire

Bonaire, Curaçao und Aruba, genannt die ABC Inseln gehören zu den Leeward Islands, den Niederländischen Antillen, sie sind ein Teil der Niederlande.
Die Insel Bonaire ist ca. 70 Kilometer lang und 20 Kilometer breit.
12500 Menschen leben hier, die Sprache ist Niederländisch und Papiamentu, die Sprache der Holland Caribbean. Ein Kauderwelsch aus portugiesisch, spanisch, niederländisch, französisch, englisch und einem Mix aus afrikanischen Dialekten. Masha danki = thank you very much.

Bezahlt wird in Gulden, auch Florin genannt, the Netherlands Antilles’ guilder. Bebildert sind die Scheine mit Flamingos. Mindestens einmal täglich fliegt eine Maschine vom internationalen Flamingo Airport nach Amsterdam. Der Hauptstadt Kralendijk mit dem einzigen Einklarierungshafen der Insel, sieht man den Ableger der Niederlande an. Ein blitzsauberes kleines Städtchen mit pastellfarbenen Häusern, im klassischen mustard gelb das Zoll- und Postgebäude. Von wirtschaftlichem Interesse ist die Salzförderung und der Tourismus, speziell Tauchresorts sind überall zu finden. Eigentlich wollen wir auch mal einen Tauchkurs machen, aber wann?


karibisch-holländische Architektur in Bonaire

Auf der Riffinsel ist es sehr trocken, hauptsächlich wachsen Kakteen und gumbo limbo Bäume. Der bergige Norden der Insel, mit ihren ausgetrockneten Wüstenseen unterscheidet sich von der südlichen flachen Hälfte, hier finden sich die Salzseen und wachsen Mangroven in den Buchten.

Bonaire, umringt von Riffen, ist das Tauchparadies, ideal zum Schnorcheln und tauchen in dem, laut Prospekt, klarsten Wasser der Karibik. Unterschiedlich, je nach Sonnenstand spiegelt sich im Meer ein breites Spektrum von Blau- bis Grüntönen und macht die Unterwasserwelt bis ins Detail sichtbar. Momo schaukelt an ihrer Boje im Curaçaofarbenen Wasser. Unsere Nachbarn sind Segelyachten hauptsächlich aus Australien, England und Venezuela. Regelmäßig laufen auch Kreuzfahrtschiffe das Paradies an, im Laufe der Woche sehen wir die „Hochhäuser“ Noordam, Enchantment of the Seas, Freewinds, AidaAura, Ocean Dream, Oceana, Sea Princess und die Sea Cloud II, manchmal verdecken sogar zwei Schiffe gleichzeitig die Stadt, die vielen Souvenierläden und Boutiken machen dann ihr Geschäft.



Bonaire, aus Sicht eines 4-rädrigen Fahrzeugs, auf Tour mit dem Toyota.
Unser touristisches Programm beginnt, nachdem wir unsere Pflichtübung mit Hardware Stores und Handwerker aufsuchen absolviert haben. Ohne den kleinen gemieteten Toyota, alle Jeeps waren an die Taucher ausgeliehen, hätten wir uns in der Inselhauptstadt Kralendijk die Füße wund gelaufen. Verloren gehen kann man auch nicht auf der Insel, sagt man uns, es gibt nur wenige Straßen. Mit unserem kleinen Toyota und einem noch kleineren Inselplan vom Informationszentrum fahren wir, wie auch in den Niederlanden üblich, auf der rechten Straßenseite, Richtung Norden. Ein Tauchresort und eine Tauchschule folgt der anderen. Die ganze Leeseite der Insel ist ein Schnorchelrevier.

Am Schnorchelpunkt 1000 steps hält uns nichts mehr im Auto. Mit Flossen und Taucherbrille unterm Arm laufen wir zum Ufer, die tausend Stufen sind höchstens mal hundert. Korallen-Überreste in allen Formen klirren unter unseren Badelatschen. Wir schwimmen über weißen Sand und schon beobachten uns, halb eingegraben im Sand, Gesellen mit Höckeraugen und Horden durchsichtiger Fische mit dunklen Augen schwimmen eilig davon. Jetzt schweben wir über dem türkisfarbenen flüssigen Lebensraum der Korallen in allen Formen mit ihren schillernden Bewohnern. Die Fische tragen wohl noch ihre Karnevalskostüme, so einfallsreich und bunt, manche sogar neonfarben, sind sie. Wir können uns nicht satt sehen. Sogar eine Schildkröte lässt sich direkt neben uns blicken. Wieder am Ufer laufen kleine Schneckenhäuschen umher, kleine Krebse, die darin wohnen laufen mit den Häuschen herum.


ein kleiner Einsiedlerkrebs

Noch eine Tour auf 4 Rädern
Am kommenden Tag fahren wir am Flamingo-Flughafen vorbei, immer Richtung Süden. Überall stehen die Jeeps und Pickups am Ufer und wir sehen die Taucher im Neoprenanzug, dem wichtigsten Kleidungsstück auf Bonaire, über die angeschwemmten Korallenreste dem türkisfarbenen Ufer zustreben.

Nach dem Punt Vierkant Lighthouse liegen links neben der Straße die riesigen Salzseen. Die Wasseroberfläche leuchtet und glitzert in rose und fliederfarben. Flamingos staksen mit ihren langen Beinen nach Futter suchend im Salzwasser umher. Am Rande des Sees bilden sich große Salzkristalle und weißer Schaum. Im Hintergrund sehen wir dekorativ drei riesige schneeweiße Salzberge. Die berühmte Lac Bay, ein Windsurf Eldorado, streifen wir nur kurz. Ein Traum von Bucht mit feinem weißem Sand bis weit hinaus auf das Meer, aber uns ist der Platz zu touristisch.


die Saline in Bonaire

Durch den Kakteenwald.
Statt die geteerte Straße nach Kralendijk zurück zu nehmen, fahren wir an der Ostseite der Insel Richtung Norden, sehen erst Mangrovenbäume, dann folgen bald haushohe Kakteen, während wir der „unpaved road“ folgen. Im rechten Winkel gehen Korallenschotterwege ab, mal rechts, mal links, und bald müssen unsere Reifen über immer spitzigere Steine und tiefere Furchen fahren. Zurück finden wir nicht mehr, aber es kann doch nicht mehr sein, bis wir auf die Hauptstraße stoßen, also weiter. Kein Mensch ist hier unterwegs. Es folgt ein kurzer, steiler, holpriger Anstieg und vor uns breitet sich eine ebene Hochfläche aus.


Mit dem Kleinwagen durch die Wüste.

Ein ausgetrockneter See. Roter Sand mit Reifenspuren, die aber auseinander führen. „Da geht’s lang“, meint der Skipper auf die rechte Spur deutend. Er steigt kurz aus und testet wie hart die neue Sandfahrbahn ist. „Das geht“, fahr zu, meint er kurz, als ich zögere. Die kleinen Reifen graben sich in den Sand, der Staub holt uns ein und hüllt uns in eine rote Wolke und nimmt uns jede Sicht. Der Scheibenwischer wischt die Frontscheibe frei von Sand. „Gib Gas“, meint mein Beifahrer, aber entnervt halte ich an. Uwe fährt nun beherzter durch die Wüste, er bildet sich ein in einem Jeep zu sitzen. Der Sand prasselt an den Karosserieboden, lange hält das Auto nicht mehr durch. Immerhin führen wir 30 Liter Wasser (Schiffsvorrat) mit uns, verdursten werden wir nicht, aber finden wird uns heute auch niemand mehr. Bezeichnungen wie Orinoco, Gurubu, Wayakano und Bolivia stehen auf dem kleinen Plan vom Tourismusbüro. Eine Ewigkeit erscheint mir die Fahrt. Endlich wieder ein Pfad an einer Riff-Steilküste entlang, auf der in der Abendsonne Kugelkakteen glänzen.. Irgendwann war wohl die ganze Insel unter Wasser, so wie wir die Landschaft hier erleben. Im Zick-Zack holpert nun das rotbraunstaubige Auto wieder über spitzige Steine des Wanderwegs.


gerade nochmal gut gegangen!

Stunden später -
„ Sie haben ihr Ziel erreicht“, die Hauptstraße, die Kaminda Tras di Montaña, sie führt uns in den Ort Rincon. Dort biegen wir an der Tankstelle links ab Richtung Gotomeer. Uwe hält an, um auf dem See ein paar rosafarbene Flamingos zu knipsen.



In Ermangelung eines Besens wische ich den Sand mit einem Lappen vom Auto. Nein!! der linke Hinterreifen ist platt! Auch das Ersatzrad ist platt! Niemand ist unterwegs, der uns helfen könnte. Langsam tasten wir uns zurück zur Tankstelle von Rincon. Keine Hilfe erwartet uns da, die Frau sitzt hinter einem Schalter und weiß nicht, wer Reifen flicken kann. Ein Schwarzer, der gerade seinen Pick up auftankt ist uns behilflich, leiht uns seinen Wagenheber und fährt mit Uwe und dem platten Reifen ins Dorf. Für umgerechnet 5 Euro bekommt er den Reifen sofort geflickt. Der Einheimische bringt Uwe wieder zur Tankstelle und wartet bis er seinen Wagenheber wieder mitnehmen kann.

Ab in die Waschanlage mit dem kleinen Auto, auch ohne Bürsten funktioniert das hier. Von Hand bekommen wir das kleine dreckige Auto gewaschen. Wie Schokoladensoße läuft das Wasser an ihm ab, obwohl ich es inzwischen mit dem Lappen komplett abgewischt hatte. Wir sind heute der letzte Kunde, da haben wir doch noch mal Glück gehabt, morgen früh bei der Rückgabe hätten wir mit dem Sandauto bestimmt Ärger bekommen.


Am Samstag machen wir klar Schiff

morgen geht’s mal wieder auf Langfahrt. Kennt jemand die San Blas Inseln? Die wollen wir besuchen. Unser Bojennachbar Marco, ein Venezolaner, hilft uns das Passatsegel zu bergen. Die Crew hat nur noch einen funktionierenden Arm. Der linke Arm hat die viele Wasserflaschen vom Dinghy hoch an Bord von Momo gestemmt. Marco und Uwe versuchen das wild um sich schlagende Segel zu bändigen, als Uwe etwas ins Auge bekommt. Sieht böse aus. Statt abzureisen sehe ich uns schon einen Augenarzt aufsuchen, aber eine Stunde nach dem Malheur sieht der Skipper schon wieder klar und wir legen ab zur nahegelegenen Marina zum Wasser bunkern. Unsere letzten Gulden legen wir beim Argentinier in ein dickes Steak und Fishermans Pasta an. Jetzt freuen wir uns auf eine letzte ruhige Nacht mit Durchschlafen. Das wissen aber die Moskitos zu verhindern, sie saugen uns aus und einige reisen sogar als blinde Passagiere am nächsten Tag mit uns.

Wo liegen jetzt die San Blas Inseln? In Panama. Unsere zweitlängste Fahrt liegt vor uns, fünf bis sechs Segeltage mit 700 bis 800 Meilen, parallel zur Venezolanischen und Kolumbianischen Küste. Meist herrscht eine Starkwindzelle in diesem Gebiet, weshalb wir unsere Route in großem Bogen um die Küste gelegt haben. Nach drei Tagen soll uns dann eine Flaute erreichen. Flauten gibt es laut Statistik mit Null Komma noch was %, wir werden sehen.


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