Unser Logbuch

hier gibt`s das Neueste von unserer Reise.

Die Einträge hängen davon ab, wann wir einen Internetzugang

finden. Wir werden natürlich versuchen, möglichst aktuell zu sein


 
Datum 10. Oktober 2009
Position 28°08,50´N, 015´25,25´W - Las Palmas, Gran Canaria
Seemeilen bisher 2990
Wind NE 5 Bft
Tage unterwegs 153

Kanarische Inseln

unter dem funkelnden Sternenhimmel verfliegt die zwölf Stunden Nacht im Nu. Momo rauscht durch den monddurchfluteten Ozean, nach La Graciosa, das Wasser klatscht an die Bordwand, plätschert, gurgelt und Johannes, der „Windfahnensteuermann“ folgt dem Wind.



Beginnen will ich aber mit dem Ablegen heute früh, dem 26. September in der
Marina Quinta do Lorde

Mit einem Küsschen wird der Skipper von Joana verabschiedet
und einen freundlichen Schubs von Carlos mit dem Gummiboot, bekommt die schwerfällige Momo beim Ablegen. Fünf Sterne vergeben wir der Marina Quinta do Lorde und fünf Palmen für die Blumeninsel Madeira, toll war’s hier.

Gut vorbereitet startet Momo mit ihrer double hand Crew zu ihrer kommenden Nachtfahrt, 270 Seemeilen weit zu den Kanarischen Inseln. Skipper und Crew teilen sich vorsichtshalber wieder ein rundes Pflaster Scopoderm gegen Seekrankheit. Es kann nicht schaden nach der langen Zeit an Land.

Momos Kraftwerk sieht aktuell so aus: Windenergie vom Windgenerator (die Windmühle oben am Geräteträger am Heck), Energie aus der Strömung liefert der Schleppgenerator, ihn schleppen wir bei Fahrt unter Segel an einer langen Leine hinter uns her und - neu ist unsere Sonnenenergie, ein Solarpaneel, das die Reeling „schmückt“. Unschwer erkennt man Momo jetzt als Fahrtenschiff. Es fehlen nur noch die an Deck verzurrten Reservekanister, die schaffen wir uns aber bestimmt auch noch an.

Wir fahren eine Vorwindkreuz bei 4 bis 5 Windstärken aus Nord.
Im Webradio auf SWR 1 hören wir vor der Abfahrt noch die Nachricht, dass in Stuttgart das Volksfest auf dem Wasen begonnen hat, mit Achterbahn und Zuckerwatte. Unsere Achterbahn sind die Wellen des Atlantiks und wie Zuckerwatte sehen die ersten Passatwölkchen aus, die uns am strahlend blauen Himmel begleiten. Den direkten Kurs wollen wir momentan nicht anlegen, weil der weil der platt vor dem Wind wäre. Den mag unser Johannes (die Windfahnensteuerung) nicht so sehr und ausserdem ist es der langsamste Kurs überhaupt. Also beginnt die Reise mit einer Vorwindkreuz.

Fotosession: die SY Allegra ist herausgeputzt mit rot-weißem Parasailer
Am Nachmittag, die Inselgruppe der Desertas liegt hinter uns, treffen sich die Kurse von Allegra und Momo. Allegra hat den Parasailer gesetzt, ein Zwischending aus einem Gleitschirm und einem Spinnaker, und optimal für Vorwind- und Raumschotkurse. Riesig ist das rote Tuch, im oberen Teil ein Luftschlitz, aus dem eine weiße Matratze ragt. Streckt uns das Ding die Zunge raus? Uwe „knipst“ mal wieder was das Zeug hält: mal auf der Welle, mal im Wellental, wenn nur noch das schöne Segel der Allegra zu sehen ist.


Allegra streckt uns die Zunge raus

Unser Schmetterling fliegt auf die Kanaren, Kurs 141 Grad
240 Seemeilen, quer über den Ozean, genau zur Insel La Graciosa. Aber das dauert noch. Wir baumen den Klüver aus, das Großsegel wird gesichert mit dem Bullenstander und zusätzlich setzen wir noch die „Wunderwaffe“, die Fock. Momo ist wieder ein Schmetterling mit drei Flügeln. Mit sieben Knoten, manchmal sogar acht, fliegt unsere 16-Tonnen-Momo fast über das Meer. Endlich wieder Blauwasser, sie ist nicht mehr zu bremsen. Allegra hinter uns wird kleiner und kleiner, bis sie hinter dem Horizont verschwunden ist.

Das Meer gehört uns jetzt allein und den meist unsichtbaren Meeresbewohnern. Nur die Delfine suchen manchmal Gesellschaft, das sind dann glückliche Momente. Wie jetzt. Sechs kleine Delfine schauen an der Bordwand hoch: „Seht ihr uns“? Die Show beginnt. Übermütig zeigen sie uns ihre Sprung- und Schwimmkünste, einzeln, paarweise und in Dreierkombination.


Delfine, hier im 3er Pack

Die kommende Nachtfahrt wird zur Routine.
Zum Sonnenuntergang gibt es ein Vesper, wir schalten die Navigationsbeleuchtung an, legen Stirnlampen, Nüsse, Zwieback, Musik und Hörspiele bereit. Um 20.00 Uhr ist es Zeit für Uwe zu schlafen, um 24.00 Uhr ist dann Wachwechsel, dann wieder um 4.00 Uhr, um 8.00 Uhr und bis 12.00 Uhr Mittag, wenn sie es so lange aus hält, schläft die Crew.


Mond und Sterne funkeln um die Wette mit der Stirnlampe

Es wird eine entspannte Nachtwache, kein Schiff, kein Land, keine Untiefe, keine Tonne – einfach nichts, nur dunkel schimmerndes, manchmal fluoreszierendes Wasser um Momo. Meine Nachwache verkürze ich mir mit dem Hörspiel von Agatha Christie: „10 kleine Negerlein“. „Was fährst du denn für einen Kurs“ – höre ich beim Wachwechsel um 4.00 Uhr morgens als Erstes vorwurfsvoll vom Skipper. Um 20 Grad sind wir von unserem Kurs abgekommen. Ich hätte unseren Johannes längst korrigieren müssen, denn die Windfahne steuert nur nach dem Wind und der hat sich etwas gedreht. Schnell sage ich „Gute Nacht“, und verschwinde in der Koje, Uwe muss jetzt sehen, dass er wieder auf den richtigen Kurs kommt. Ab 7.00 Uhr ist an Schlafen nicht mehr zu denken, der Skipper rumort im Dunkeln und sucht sein seit Wochen nicht mehr gebrauchtes Ölzeug. Was ist denn jetzt los?


Der erste Squall unserer Reise überrascht uns.

Es schüttet wie aus heiterem Himmel, schwarze Wolken verdüstern noch mehr die Nacht und der Wind legt plötzlich zu. Einen Squall nennt man das. Es handelt sich um eine Fallbö mit Starkregen. Die Ursache ist die Veränderung des Luftdrucks in der oberen Atmosphäre, es entsteht eine stoßartige Luftlawine. Diese Squalls werden uns künftig auf unserer Reise über die Ozeane begleiten und in Alarmbereitschaft halten. Wir wissen jetzt, dass wir auch auf unserem Radarbildschirm die Störung gut und frühzeitig erkennen können. Jetzt beunruhigt uns auch noch eine Windhose, wie ein Elefantenrüssel hängt sie aus einer schwarzen Wolke vor uns, müssen wir weiter Reffen? Glücklicherweise löst sie sich wieder auf.

Die Sonne geht auf, als sich schon wieder der Himmel verdunkelt, stockfinster wird es sogar, auch der Wind verstärkt sich und ein Schwall Regenwasser ergießt sich über uns als Morgendusche, der zweite Squall hat nicht lange auf sich warten lassen. Nach fünf Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Das Dunkel löst sich auf und die schwarzen Wolken geben die Konturen der Vulkanberge frei. Tagelang sehen wir nur blaues Wasser unter uns und blauen Himmel über uns und dann entdecken wir plötzlich Land. An backbord ragt die Vulkanspitze des Montaña Clara aus dem Wasser und vor uns liegt die kleinste bewohnte Vulkaninsel der Kanaren, die Isla Graciosa.


Land in Sicht: La Graciosa und Lanzarote

Wir bergen die Segel, fahren noch um die Südwestspitze Punta del Pobre und dann fällt unser Anker, genau um 8.50 Uhr auf 10 Meter Tiefe im glasklaren türkisfarbenen Wasser der Playa Francesa auf 29°13'056 Nord und 13°31'815 West. Fünfzehn Boote liegen schon vor Anker, ein internationales Feld: Franzosen, Spanier, Holländer, Portugiesen, Engländer und Deutsche. Wir genießen unser verdientes Frühstück an diesem herrlichen Montag früh, der 28. September, Tag 141 nach unserer Abreise und. Ein Sprung ins erfrischende Wasser, und damit wir nachher ruhig ausschlafen können, schnorcheln wir an der Ankerkette entlang bis zu der Stelle wo sich der Anker perfekt in den Sand eingegraben hat. Jetzt können wir von der hinter uns liegenden Wahnsinnsfahrt, einem unserer tollsten Segelabschnitte träumen. Vorher müssen wir aber noch ganz schnell die portugiesische Gastlandflagge in die spanische austauschen!


unser Ankerplatz vor La Graciosa

Der Kanarische Archipel ist seit 1982 eine Autonome Region, gehört aber politisch zum Tausend Kilometer entfernten Spanien. Der Archipel besteht aus sieben großen und sechs kleineren Inseln, unterteilt in die Provinz Las Palmas mit Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und den sechs kleinen Inseln und in die Provinz Teneriffa mit Teneriffa, La Palma, Hierro und La Gomera.

Vier Tage lang hält uns die Bucht Francesa in ihrem Bann
Die Kleiderordnung ist höchstens noch Badezeug, die Lufttemperatur misst 27 Grad, das Wasser 22, ein mediterran-subtropisches Klima, unsere Barfussroute beginnt. Wir baden inmitten riesiger Fischschwärme. Zehntausende Sardinen ziehen ihre Runden unter Momo durch, sie schwimmen alle synchron, in ständig wechselnden Formen, sie wechseln die Richtung, dann glitzern sie alle auf, bilden eine Wellenform, Zehntausend Augen glotzen hoch, bis sie alle miteinander fort ziehen, Richtung Sund.


endlich wieder schwimmen im glasklaren Wasser

Die Wüste lebt.
An den Strand fahren wir mit dem Dinghy und wandern über die Dünen, auf deren kreisrunden Sandhügeln graugrüne magere Pflanzen wachsen, weiter über Lavagestein auf unseren „Hausberg“, den 172 Meter hohen Montana Amarilla. Das wenige Grün ist mal ein grüner, dickblättriger Stängel, mal sind es winzige Blüten, die an einem verdorrten Strauch erscheinen, mal Flechten in allen Farbnuancen, die das alte Gestein überziehen. Der schweißtreibende Aufstieg hat sich gelohnt, vor unseren Augen erstreckt sich eine gigantische Aussicht über unsere Insel Graciosa.: Vulkankegel, zwei kleine weiße Dörfer, Strände, ein Hafen. Ein Vulkan hat eine Struktur wie ein Marmorkuchen. Im Süden sehen wir die Vulkankette von Lanzarote.


unten liegt unsere Ankerbucht und gegenüber Lanzarote


auf der Wüstenpiste geht`s in die Hauptstadt

Ein „Wüstenausflug“ in die Hauptstadt Caleta del Sebo.
mal eine Fußspur, mal eine Mountainbike-Spur zeigt uns die Richtung zur 693 Einwohner zählenden Hauptstadt mit drei Läden, einigen Bars und dem Hafen. Der Ort, einstockige, würfelförmige weiße Häuschen mit blauen oder grünen Fenstern, durchzogen von sandigen Pisten. Fehlt nur noch, dass Clint Eastwood um die Ecke geritten kommt. Ein paar vergessene Hippies findet man vor dem kleinen Hafen, sie verkaufen Schmuck oder auch keinen, spielen Schach miteinander oder Ball mit ihrem Hund.


die Haupt"stadt"

Baden – arbeiten – Siesta
Uwe vertieft sich wieder mal in die Elektrik, schraubt, misst, sieht klarer, vor allem nach einem Bad, aber die Batterie- und Stromsituation ist nach wie vor obskur. Ich schleife unsere Holzreeling und streiche sie anschließend mit Klarlack, jetzt glänzt sie wieder. Unsere Zeit in der friedlichen Bucht verfliegt. Auch unser Bordstrom. Trotz neuem Sonnenpaneel leeren sich unsere Batterien kontinuierlich, auch zwei Maschinenlaufstunden, das Abschalten des Kühlschranks, Petroleumlicht zum Dinner, helfen nicht mehr – wir brauchen Landstrom.


Dinner im Cockpit

Eine Steckdose finden wir 43 Seemeilen weiter, an der Südküste der Insel Lanzarote, in der schicken Marina Rubicon. Um 17.00 liegt Momo mal wieder verzurrt am Fingersteg, nichts mehr mit freiem Schwoien an der Ankerkette. Aber auch kein Sprung ins Wasser heißt das für uns. Brütende Hitze empfängt uns im Hafen, 79 Meilen von der afrikanischen Küste entfernt und 1000 Kilometer vor der Spanischen Küste. Die Karibik ist gar nicht mehr so weit weg, n u r noch 2500 Meilen, hinter uns liegen schon 2896 Seemeilen.

Anker auf in der Bucht von La Graciosa, Kurs Lanzarote entlang der Ostküste
Den Chinijo Archipel mit den Inseln Graciosa, Montana Clara, Alegranza und dem Roque del Oeste und dem Roque del Este lassen wir an achtern liegen. Von der Nordspitze Lanzarotes, dem Punta Fariones segeln wir bis zu den Sandstränden der Playa Blanca im Südwesten. Ein heißer Tag, kein Wunder, gleich nebenan liegt West Sahara, entsprechend häufig kommen jetzt Funksprüche auf arabisch durch.

Vulkankegel, Lavaströme, braun, rot und schwarz die Farben, kein Grün, nur das Weiß der Häuser sticht heraus. So zeigt sich uns die Insel von der Seeseite aus. Im Süden der Insel nach den berühmten Papagayo Sandstränden, ist der Wind weg, aber da taucht auch schon die Hafenmauer der Marina Rubicon in Playa Blanca auf.



Richtig was geboten ist in der riesigen Marina. Autovermieter, Restaurants, Swimmingpool, zwei Supermärkte, eine Taverne, zwei Pizzerias, Divingschule, Bars, Pastelerias und viele Boutiken und Samstags ein Krämermarkt, all das ist geboten in der riesigen Marina. Der Liegeplatz ist auch nicht billig, auch nicht das Bier in der Bar, es kostet mehr als das doppelte wie in Portugal. Fahrräder auf dem Steg abstellen und Wäsche an Bord aufhängen ist verboten, das sind nur zwei Punkte aus der DIN A4-seitigen Hafenverordnung. Wie sieht das auch aus, wenn jeder seine Schiesser Doppelripp Hosen und Hemden an der Reeling aufhängt.

Die ersten vier Tage verbringen wir an Bord, unsere vier Patienten bekommen Eispackungen, um die Temperaturfühler zu überlisten.
Es bietet sich die Gelegenheit Momos Strom und Batterieladeprobleme weiter zu diskutieren, denn Gerd von der Segelyacht Allegra liegt am gleichen Steg wie wir.Aber inzwischen haben wir auch noch ein weiteres Problem mit der Lichtmaschine, die liefert eine zu niedrige Spannung und zu wenig Strom, das hat Uwe bei einer Messung unter laufender Maschine unterwegs festgestellt. Erst müssen wir testen ob die Batterien in Ordnung sind, meint Gerd, der Profi, erst dann gehen wir das Problem der Lichtmaschine an, ist seine Auffassung. An drei Vormittagen analysiert Gerd, was dem „Kinde“ fehlen kann. Analytisch geht der „Batteriedoktor“ das Problem an, und nicht nur das, er prüft sämtliche Verbindungen und Anschlüsse. Momo ist in guten Händen.


bei der Analyse unserer Elektrik stehen Gerd die Haare zu Berge

Momo kann mit der perfekt und übersichtlich von Gerd und Reta persönlich verkabelten Allegra nicht mithalten, auf unserem Schiff kam im Laufe der Zeit immer wieder eine Änderung und Verkabelung vom Elektriker hinzu. Die zwei Männer finden kein Ende, Reta dagegen will verständlicherweise Lanzarote sehen und nicht nur den Hafen. So bekommen wir jetzt Hausaufgaben: Jede Batterie e i n z e l n testen. Laden (Dauer ca. 16 Stunden), zwischendurch kühlen wir die Temperaturfühler der Batteriepatienten mit einem Eisbeutel, so werden sie überlistet, noch mehr Strom zu laden. Es klappt, wie die Säuremessung zeigt. Jetzt entladen wir die Batterie wieder, schalten dazu alle Energiequellen an Bord für ca. drei Stunden an. Drei Tage und zwei Nächte geht das Spiel. Dumm ist nur, dass zwei Batterien unter unserer Schlafkoje sind. Uwe muss deshalb in der Hundekoje schlafen und ich auf der Bank im Salon – was tut man nicht für die empfindsamen Batterien. Erst recht wenn die Operation Erfolg hat. Die Batterien sind wieder aufgepäppelt. Einen Schritt sind wir weiter – und Uwe hat jetzt einen ganz persönlichen Draht zu seinen Kabeln an Bord! Eine neue Lichtmaschine ist inzwischen bei SVB in Deutschland geordert, Lieferung Las Palmas. Wenn wir auf Gran Canaria ankommen und die neue Lichtmaschine aus Bremen eintrifft, folgt eine Fortsetzung der Geschichte.

Vier Tage verbringen wir schon auf dem Schiff im Hafen, jetzt wollen wir endlich Vulkane sehen! Die Insel hat eine Fläche von 845 Quadratkilometern, zu groß und bergig für Fahrradtouren. Wir mieten für vier Tage einen günstigen Opel Corsar.



Hundert Vulkanen mit 300 Kratern spuckten solche Massen Lava aus, dass dreiviertel von Lanzarote mit schwarzer und roter Asche bedeckt ist.

Vor 36 Millionen Jahren wiederholten sich unterseeische Vulkanausbrüche, durch Kontinentaldrift und Hotspot Vulkanismus, dies war der Sockel von Lanzarote. Die Oberfläche der Insel wie wir sie heute sehen, entstand durch insgesamt vier vulkanische Hauptphasen. Die jüngsten Ausbrüche zwischen 1730 und 1824 gehören zu den bedeutendsten in der Geschichte des Vulkanismus, aufgrund der großen Mengen des ausgespieenen Materials und auch wegen der Dauer. Dreißig neue Vulkane bedeckten 23 % der Fläche Lanzarotes im Gebiet des Timanfaya. Große Teile des fruchtbarsten Ackerlandes und mehrer Dörfer wurden damals unter der Lava begraben.


ein kleiner, "begehbarer" Vulkankrater

Lanzarote liegt in der Passatzone
ganzjährig sorgen Winde aus Nord bis Nordost für ein mildes, niederschlagsarmes Klima. Da die Passatwindwolken an der relativ flachen Insel nicht abregnen, ist Lanzarote die trockenste der Kanarischen Inseln. Es gibt kein Grundwasser und keine Flüsse, Wasser wird nur aus der Entsalzung von Meerwasser gewonnen.

Zwei Gebirgszüge ziehen sich über die Insel,
Im Norden das Famara Massiv mit den Gipfeln Peñas del Chache, daran schließt sich die Sandwüste von El Jable an, im Süden erstreckt sich das Massiv der Montañas del Fuego, der Feuerberge. Das restliche Land ist hügelig, mit markanten Vulkankegeln, mal sehen Flächen wie riesige Baustellen mit aufgeschütteten Steinbrocken aus, mal glaubt man sich auf einem Gletscher, so sehen die Lavaflüsse aus, bloß kohlschwarz und dann folgen wieder Flächen mit Lavasand.

Eigentlich ist die Farbe Grün ein Wunder auf dem Mondgestein.
Verschiedene Flechtenarten beginnen mit der Besiedelung des jungen Lavagesteins. Salzpflanzen, Wolfsmilchgewächse, verschiedene Farnarten, vereinzelt wilde Ölbäume und die kanarische Dattelpalme wachsen auf der älteren Lava.

Die Feuchtigkeit der Wolken reicht aus, um sogar Landwirtschaft in Form von Trockenfeldbau zu betreiben, hauptsächlich im mittleren und nördlichen Teil der Insel. In der Tiefebene El Jable wachsen auf Sandböden Süßkartoffeln, Melonen, Kürbisse, Tomaten und Gurken. Manchmal hat man künstlich eine 15 cm dicke Lapillischicht (das ist die schwarze Vulkanasche) auf fruchtbaren Boden aufgebracht und darauf gedeihen Zwiebeln, Knoblauch, Mais, Kartoffeln und Luzerne. Wir staunen, wie auf diesen schwarzen Flächen, ohne Regen Grünzeug wachsen kann.

Erdbeerzeit ist momentan leider nicht, aber das Bild muss man sich so vorstellen: akkurate Pflanzenreihen, rote Beeren mit saftig grünen Blättern, die sich plakativ von der schwarzen Vulkanasche abheben.


Der Wein des Feuers
Noch ein tolles Bild bietet das Weinanbaugebiet am Rande des Timanfaya. Mit fünf Hektar Anbaufläche ist es das größte der Kanarischen Inseln. Auf der Ebene und die Vulkanhügel hoch, werden in traditioneller Anbaumethode, zwischen vielen kleinen Kratern auf meterhoher Lapillischicht Weinkulturen angepflanzt. Durch die kleinen angehäuften Krater sind die Reben (Moscatel und Malvasier und Diego) geschützt vor den Nord- und Nordostwinden. Das nötige Wasser für die Pflanze ist in der porösen Vulkanasche gespeichert, welche nachts die Feuchtigkeit aus der Luft aufsaugt und tagsüber sich wieder aufheizt. Die Weinbauern produzieren mit Unterstützung der Sonne 5 Millionen Liter Wein pro Jahr!
Mühsam ist die Landwirtschaft trotzdem, die Anbauflächen sind aber immerhin größer und besser zugänglich als der Terrassenanbau auf Madeira.


die Mulde mit der Steinmauer schütz vor dem Passat und der schwarze
Vulkangries speichert den Tau der Nacht und gibt ihn langsam
an die Wurzeln der Reben ab!


Es ist unmöglich, über Lanzarote zu berichten, ohne César Manrique zu erwähnen.
Zweifellos war er die bedeutendste Persönlichkeit der Insel.
Der 1919 in der Hauptstadt Arrecife geborene und 1992 tödlich verunglückte César Manrique war Künstler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer und seine Anregungen, Einflüsse und gestalterischen Maßnahmen haben Lanzarote entscheidend geprägt.
1954 wird Manrique mit gleichgesinnten Künstlern Vorreiter des Surrealismus.
1964 wird er von Nelson Rockefeller in die USA eingeladen.
1966 Zurück, will Manrique seine Heimat in einen der schönsten Plätze der Welt verwandeln und gewinnt für seinen Plan den Präsidenten der Inselregierung, außerdem überzeugt er noch persönlich die Inselbevölkerung.
Kunstwerke von Manrique entstehen auf der Insel als touristische Zentren wie auf dem Roque Naçional de Timanfaya, La Casa Museo del Camperino, El Jardin de Cactus, Castillo de San José, Los Jameos del Aqua und La Cuevade los Verdes.
Der Künstler bewahrte Lanzarote seine Identität und verhalf den Massentourismus in gemäßigte Bahnen zu lenken. Die Lanzarõteros behaupten, César Manrique habe Lanzarote erschaffen. Die Inselregierung erklärte Manrique 1995 zum „Bevorzugten Sohn“ und verpflichtet sich gleichzeitig Manriques Weg weiterzugehen.


Die Lanzarotenische Architektur ist von Manrique geprägt

Sein Plan bestand darin, auf mehr als 2-stockige Häuser zu verzichten und alle Werbeplakate zu entfernen, tatsächlich gibt es seit 1968 ein Verbot und die Häuser wurden nicht höher als eine ausgewachsene Palme gebaut.
Ausnahmslos sind alle Häuser in weiß gehalten, schlicht, kubisch, mit blauen Fensterläden für die Häuser der Fischer und grünen für die Landbevölkerung. Die weißen Häuser stehen in tollem Kontrast zu der schwarzen Lava des Landes.

Leider wird die Abmachung heute schon nicht mehr eingehalten, wir entdecken vor allem in den Tourismuszentren wie Playa Blanca, Costa Teguise, Puerto del Carmen, Hochhäuser und alle möglichen Baustile, – schade. Aber es grenzt auch ein Wunder, dass sich bisher auch sämtliche Bauträger an die Wünsche von Manrique hielten.

Vier Tage unterwegs auf vier Rädern, ungewohnt so ein kleines Steuerrad.
Wir sehen eine dicht besiedelten Südküste, die Playa Blanca mit Sandstränden, zugebaut mit Hotels, Bungalows, Residencial Parks und Appartements. Über das gut ausgebaute Straßennetz erreichen wir die Salinas de Janubio.
In den Salinen wird heute noch das Salz abgeschöpft. Mit 2 Kilogramm Meersalz im Gepäck fahren wir die Westküste weiter bis El Golfo,
einem unter Naturschutz stehenden, teilweise im Meer versunkenen Vulkankrater. Innen im Krater hat sich eine smaragdgrüne Lagune gebildet, der Charco de los Clicos. Die Alge Ruppia Maritima ist verantwortlich für die grüne Farbe, durch den extremen Salzgehalt des Sees gedeiht die Alge hier besonders gut.


die Lagune von El Golfo

Auf dem Weg zu den Feuerbergen kommen wir durch Yaiza. Der Ort soll der schönste Spaniens sein. Palmen, bunte Blumen, schneeweiße Häuser mit Kirche zwischen schwarzem Lavasand. Sauber, blitze blank ist die kleine Stadt. Uwe bestellt dos café leche beim Kellner. „Möchded do a süß stückle oder an kucha dozua?“, fragt er uns auf schwäbisch. Der junge Mann ist aus Esslingen am Neckar, also bei uns daheim gleich um die Ecke.


Yaiza

Das Highlight, die Feuerberge - Montañas del Fuego
Interessiert uns brennend. Im Centro de Visitantes, des Timanfaya Nationalparks treffen wir auf alte Bekannte, unsere Mitsegler Gerd und Reta. Worüber sich Gerd und Uwe hier wohl unterhalten? Richtig, über Batterien!

Seit 1974 ist eine 51 Quadratkilometer große Zone der Feuerberge als Nationalpark ausgewiesen, in denen die bedeutendsten Ausbrüche stattfanden. Wir zahlen 8 Euro Eintritt und dürfen jetzt die einzige Straße die es gibt, mitten durch das Vulkangebiet, hoch bis zum Islote de Hilario fahren. Ab dem Parkplatz dürfen wir nur noch mit dem Bus weiter, der macht eine Runde durch die Vulkane ohne Stopp. Der 14 Kilometer lange asphaltierte Rundweg, von dem auch wir jetzt profitieren, wurde 1950 angelegt, anlässlich des Besuches von General Franco gebaut. Durch die Scheiben sehen wir, immer noch im Urzustand, die unveränderte vulkanische Originallandschaft. Sechs Jahre lang, zwischen 1730 bis 1736 und dann wieder im Jahr 1824 brachen immer wieder neue Vulkane aus und begruben ein Viertel der Fläche von Lanzarote mit ihren riesigen Aschesäulen (Lapillis) unter sich.


der Timanfaya Nationalpark

Wir kommen wieder auf dem Parkplatz an und besichtigen den Aussichtspunkt El Diabolo auf dem Islote de Hilario. Cesar Manrique hat 1970 diesen Aussichtspunkt mit dem Restaurant El Diabolo erbaut. Der ganze architektonische Komplex, mit kreisförmigem Grundriss und verglasten Mauervorhängen als Aussicht auf die vulkanische Landschaft, toll integriert in die Vulkanlandschaft. Der Außenbereich, in Kurvenform, führt zum großen runden Grill vom El Diabolo, dessen Hitze aus dem Vulkan kommt. Es ist schon später Nachmittag, der Vulkan heizt zwar immer, aber das Fleisch ist schon gegessen, Pech, aber – wer zu spät kommt... Die geothermische Vorführungen zur Demonstration der hohen Temperaturen finden aber noch statt. Eine im Boden eingelassene Röhre verwandelt sich explosionsartig in einen Geysir, sobald Wasser reingeschüttet wird. Wenige Meter unter der Oberfläche herrschen 400 Grad. Schon nach wenigen Zentimetern ist es so heiß, dass sich trockene Sträucher in einer flachen Mulde entzünden, das zeigt uns eine andere Vorführung, bevor wir hungrig auf dem Parkplatz wieder in unser Auto steigen. Dafür sind aber die Berge in warmes Abendlicht gehüllt.


der künstliche Geysir am El Diabolo ist eine echte Touri-Attraktion

Schön ist es auch im El Jardin de Cactus in Guatiza,
der Kaktusgarten, 1989 eröffnet, ist Manriques letztes Projekt.

Uns umgibt ein weiträumiges Amphitheater. Umgeben von dicken Lavasteinmauern, in Terrassen angelegt, wächst hier eine Kollektion von über 1400 Kakteen und Fettpflanzen. Monolithen aus Sedimentgestein stehen dekorativ dazwischen. Mit Lavasteinen verkleidet ist auch das Gebäude mit den Souveniers (Kakteen gibt’s da), das Restaurant, selbst die Toiletten sind edelst, eine architektonische Einheit und Harmonie.


El Jardin de Cactus in Guatiza


das Toilettenschild im Kakteengarten

Wo der rote Farbstoff vom Campari her kommt.

Sogar der Standort, Guatiza, ist gut ausgewählt. Auch außerhalb des Kaktusgartens wachsen Tausende von Kakteen, der Feigenkaktus. Er wird hier extra angebaut um Koschenilleläuse zu züchten. Heute noch wird aus den Läusen der karminrote Farbstoff gewonnen und hauptsächlich verwendet in der Kosmetik- und Getränkeindustrie (beim nächsten Campari mal an die Läuse denken), auch in Süßwaren und der Wurst wird der natürliche Farbstoff verwendet.
Die Läuse werden mit einem Spatel vom Kaktus eingesammelt, hin- und hergeschüttelt, einige Tage in der Sonne getrocknet, gereinigt und dann zur Weiterverarbeitung in die Fabriken geschickt. Für ein Kilogramm Karminrot müssen 150 000 Larven von den Kakteen geschabt werden.


auf dem Feigenkaktus werden die Läuse gezüchtet

An der äußersten Nordostspitze Lanzarotes, liegt der Mirador del Rio
An der senkrechten Felswand gestaltete Manrique auf 500 m Höhe einen in die Landschaft integrierten Aussichtspunkt. Wir genießen einen traumhaften Blick vom Gipfel auf die Meerenge. Wir sehen die Insel Graciosa mit „unserer“ Ankerbucht Francesa“ und bizarre Auswaschungen am Felsriff Risco de Famara. Steil unter uns liegt die alte Saline. Das Wasser der Becken ist rot gefärbt, darin wuchern winzige Krustentiere, die Artemia salina. Steil abwärts entlang der Klippe führt uns der Weg ins Landesinnere nach


vom Mirador del Rio schauen wir hinüber nach La Graciosa

Haria ist ein Dorf mit dem Flair einer afrikanischen Oase
Uns erschließt sich ein ungewöhnlicher Blick hinunter auf das Tal der 1000 Palmen. Eine grüne Oase in einer Mondlandschaft.
Teguise,die alte Hauptstadt, hat einen Charme, der vielen anderen Orten fehlt. Leider fehlt uns das richtige Licht für die Fotos.

Weinanbaugebiet bei La Geria
Wunderschön beleuchtet die Sonne die zarten grünen Blätter der Weinreben, die aus den kleinen schwarzen Kratern hervorragen. Es führt kein Weg vorbei, wir machen einen Autostopp und besuchen eine Bodega, die bodega@stratvs.com,
mit Terrasse, Grill Gourmetladen und Kellerei. Alles vom Feinsten.
Wir testen die kühlen Weißweine und den Rotwein – „flavour of wind and salt, sun and moon, fire and volcano, das ist der Geschmack des Roten! Eine Flasche darf mit uns reisen, mal sehen wie weit sie um den Globus kommt.


Bodega bei La Geria

Baugrund: ein Lavastrom, darauf steht ein Wohnhaus mit fünf Lavablasen.
hier lebte César Manrique
1982 hat er hier die Fundación César Manrique gegründet.
Manrique entdeckte auf einem Lavafeld einen Feigenbaum, dessen grüne Spitze aus dem erstarrten Lavastrom herausragt. Er entschließt sich hier ein Wohnhaus zu errichten und bekommt von den Landbesitzern 30000 Quadratmeter des „wertlosen Lands“ umsonst. Beim Bau kommen fünf Lavablasen zum Vorschein, die er als Wohnraum eingliedert. Manrique integriert die Lavafelsen im Kontrast mit runden weichen Formen, das schwarz der Lava mit weiß gekalkten oder lackierten Mauern und Steine. Das Haus besteht aus 2 Stockwerken, einer Wohnfläche von 1800 qm, 1200 qm Terrassen und Gartenanlagen. Der obere Stock orientiert sich an der herkömmlichen Architektur Lanzarotes, Fenster bis auf den Boden geben einem das Gefühl, mitten auf dem Lavafeld zu stehen. Das unterirdische Stockwerk erstreckt sich über 5 Hohlräume durch den Basalt des Lavastroms als Gang miteinander verbunden und bewohnbar gemacht, die Blasen sind nach oben offen, lassen die Sonne herein, und Bäume wachsen vom Wohnraum hoch ins Freie. Garten mit Schwimmbad in vulkanischer Grotte und Grillstelle fehlen auch nicht.
Wir sind total begeistert, das ist das originellste und schönste Haus, das wir kennen, hier würden wir sofort einziehen.


eine der fünf Lavablasen im Haus Manriques

Endlich wandern wir mal
Ganz schön anstrengend, so eine Inselbesichtigung, das Fahren von einem Sightseeingpunkt zum Anderen. Lanzarote ist keine Wanderinsel, im Gegensatz zum gut ausgebauten Straßennetz gibt es nur wenige Wanderwege. Aber Uwe findet einen, nein zwei Vulkanberge, im Mittelpunkt der Insel. Endlich sehen wir eine Haltemöglichkeit am Rand der LZ56 und rechts und links der Straße jeweils ein frei stehender Vulkanberg. Ein diagonaler Strich zieht sich durch den Sand hoch auf den rechten Vulkankegel. Das ist der Weg. Uwe in Sandalen und ich in Turnschuhen, so kämpfen wir uns Schritt für Schritt hoch, rutschen bei jedem Fußstapfen fast die gleiche Distanz wieder abwärts. Die scharfkantige Asche schneidet in die Füße, wie dringend könnten wir jetzt unsere Wanderschuhe und die Stöcke brauchen, aber sie liegen zuhause auf dem Schiff. Geschafft, ein tolles Panorama erstreckt sich weit über die Insel, zu den Feuerbergen und zum Meer.Leider passt dem Fotografen das Licht mal wieder nicht, deshalb heißt es warten, den Eidechsen Gesellschaft leisten, die zwischen den warmen Vulkansteinen umher huschen. Endlich verziehen sich die Wolken und ein paar ordentliche Schüsse sind möglich bevor wir uns an den Abstieg machen.



Jetzt kommt der Vulkankegel links der Straße dran. Ihn durchschneiden gleich zwei Linien, von links unten führt eine rotbraun gefärbte Lavaspur hoch, und von oben „fahren“ wir die schwarze Linie runter. Das läuft ab wie im Schnee: Anlauf nehmen, auf den Absatz stehen und ab geht die Post – Gleichgewicht nicht verlieren. Unten ist kein Schnee in den Schuhen, aber raue kratzige Lava und die Füße sind kohlschwarz. Aber erst mal stehen wir andächtig am Kraterrand und blicken tief in den Schlund hinab, stellen uns in Gedanken vor, was da für Urgewalten zugange waren. Das Vulkangestein ist gepresst, gedreht, von schwarz bis rot. wie erstarrter Teig sieht die „twisted form“ aus. Auch wenn Momo es mir übel nimmt, ich muss ein paar ausgefallene Exemplare mitnehmen. War das Wandern anstrengend, was haben wir geschwitzt, trotzdem war dies das tollste Erlebnis auf der Insel. Unwirklich ist so ein Blick durch die Glasscheibe von Bus oder Auto dagegen.


Vulkan-runter-rennen ist fast wie Tiefschneefahren,
nur dass die Füsse dabei schwarz werden.
Wer sehen möchte, wie Brigitte den Vulkan runterrennt,
sollte hier klicken!

Auf dem Rückweg, in Feméz,
oben auf dem Berg, entdecken wir Emilio, ein kleines Lokal und während wir eine sehr gute, gegrillte ganze Seezunge zu 7 Euro essen, mit Blick über die Playa Blanca, geht die Sonne unter.


Abend in Femez

Das wäre jetzt ein toller Abschluss von Lanzarote, wäre da nicht noch der letzte Tag, der Samstag, mit einer Meuterei an Bord, nein im Auto. Eskaliert beim Provianteinkauf im Hipo Dimo Supermarkt bei Aricife, wegen einem lächerlichen schwammigen Toastbrot.

Wir brauchen wieder Meer! Also wechseln wir morgen die Insel. Unser „Postamt“, wo wir noch fehlende Ausrüstungsgegenstände und Ersatzteile erwarten, liegt auf der Insel Gran Canaria, im Hafen Puerto Deportivo in Las Palmas.

Am 9. Oktober, 15.15 Uhr sind wir wieder auf dem Meer Richtung Westsüdwest, genau 242°
Uns geht es gut, wir haben wieder ein gemeinsames Ziel: Gran Canaria. Keine Diskussion was wir heute besichtigen oder welches Brot wir kaufen.
Die Wettervorhersage verheißt konstanten, Nord bis Nordostwind der Stärke 4 bis 5.
Momo fühlt sich auch wohl, führt auf den kurzen Wellen einen Eiertanz auf, trotzdem macht sie eine rasche Fahrt von 7,5 Knoten. Über 90 Meilen liegen vor uns. Das passt ja, meint der Skipper, will er doch morgen früh, gerade wenn es hell wird (deshalb sind wir erst nachmittags los) im Hafen von Las Palmas einlaufen.


unterwegs nach Las Palmas


seit Wochen zeichnet unser Barograph diese Wellenlinie aufs Papier
ein Zeichen für gutes und stabiles Wetter. Wenn die Kurve nach
oben oder unten ausbricht, ist Vorsicht angesagt!


Nur 3-Stundenwachen
Vereinbaren wir für diese Fahrt. Johannes, unser Windsteuermann, muss die ganze Nacht ran. Wir fahren mit halbem Wind, das gefällt unserem Schiff, Momo gibt heute alles: 7 Knoten, 8 Knoten und sogar 9 Knoten Geschwindigkeit lesen wir auf der Logge ab. Nach 30 Meilen sehen wir in der Dunkelheit einen hellen Schimmer am Horizont, das ist schon Gran Canaria! Wir sind viel zu früh dran, auf keinen Fall möchten wir in der Nacht in den riesigen Hafen einlaufen. Wir haben mit 6n Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit kalkuliert, das ist eigentlich schon viel und jetzt machen wir fast sieben im Schnitt! Wir entschließen uns beizudrehen, das heißt Segel und Ruder so zu stellen, dass Momo keine Fahrt mehr macht und sich quer zu den Wellen legt. Das Manöver klappt nicht optimal, die Wellen schlagen gegen den Rumpf und der Windgenerator zischt wie verrückt. Wir haben Momo ausgebremst, das scheint sie uns übel zu nehmen. Zwei Stunden rollen wir auf dem Ozean, bis wir wieder Fahrt aufnehmen und den größten Atlantikhafen anlaufen: Puerto Deportivo auf Las Palmas. Genau am 10. Oktober um 10.00 Uhr legen wir am Besuchersteg an, fast 3000 Meilen liegen in unserem Kielwasser.


mit Las Palmas haben wir unser bisher wichtigstes Etappenziel erreicht

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